Nach knapp 5 Stunden Schlaf klingelte auch schon der Wecker. Als wir zum Frühstücksbuffet kamen, wurde dieses bereits von sprichwörtlichen Heerscharen von Bustouristen (davon viele aus Deutschland) geplündert, die offensichtlich in Richtung Nordkap unterwegs waren. Zum Glück legte sich der Auflauf ein wenig und wir konnten einigermaßen in Ruhe das durchaus sehr gute Frühstück genießen. Dass ich noch schnell ein Parkticket für die Viertelstunde nach dem Ende der kostenlosen Parkzeit gelöst hatte, stellte sich bald als kluge Entscheidung heraus: Als wir um 10.15 Uhr zum Auto kamen, war eine Politesse bereits dabei, ihrem Tagesgeschäft nachzukommen. Die letzten Kilometer unserer Fahrt zum Startpunkt der Wanderung zum Alta-Canyon fuhren wir auf einer unbefestigten Straße, die bereits in der Steinzeit eine wichtige Verbindung zwischen Inland und Küste darstellte. Die über die Bæskades-Hochebene führende Bergstraße wurde am 20.06.1798 per königlichem Dekret zur Poststraße von Kopenhagen (!) nach Alta erklärt und im Winter mit Rentierschlitten befahren. Heute dient sie im Winter als Verbindungsstraße für Snowscooter von Alta ins 144 km entfernte Kautokeino.
Der markierte Wanderweg führte uns über das karge Hochland der Finnmarksvidda bei kräftigem Wind und ein paar wenigen Regentropfen zum Sautso Alta Canyon, der mit einer Länge von 15 km und einer Tiefe von bis zu 500 m größten Schlucht Nordeuropas. Als kleine Schwierigkeiten waren mehrere kleinere Flussquerungen "eingebaut", die wir aber meisterten. Für den insgesamt 14 km langen Weg benötigten wir inkl. Pausen 5,5 h. Einigermaßen geschafft wieder am Auto angekommen, gönnten wir uns erst einmal einen starken und heißen Espresso! Auf dem Rückweg machten wir noch einmal Halt an der Gargia Fjellstue, wo uns die nette Inhaberin ihre Huskies zeigte. Zurück im Hotelzimmer – draußen regnete es inzwischen kräftig und der Wind zerrte heftig an den Bäumen - machten wir uns noch eine koreanische Instant-Nudelsuppe (auch schön heiß und gar nicht so übel), dazu ein Arctic Beer aus der Brauerei Mack; dann war ein weiterer sehr schöner Tag vorbei ...
Donnerstag, 20. Juni 2013
Mittwoch, 19. Juni 2013
Alta – Felszeichungen und Mitternachtssonne III
Die Weiterfahrt nach Norden auf der E6 wurde im Wesentlichen nur von einigen Fotostopps unterbrochen, so z.B. beim toll gelegenen Rastplatz Gildetun. In Sørstraumen machten wir einen Abstecher über die alte Straße Rv367 um den Kvænangenfjord herum; hier gab es dann auch einen leckeren Espresso. Ein weiterer Abstecher führte zum Øksfjordjøkulen, dem einzigen Gletscher des norwegischen Festlands, der direkt ins Meer kalbt. Bei einem Halt am Sami-Lager in Isnestoften probierten wir gesalzenes und getrocknetes Rentierfleisch. Hier fanden wir auch Überreste von zerstörten Geschützstellungen vor, die vermutlich zum Atlantikwall aus dem 2. Weltkrieg gehörten. Nachdem wir im Rica Hotel Alta eingecheckt hatten, fuhren wir zum Alta Museum, um uns die Felszeichnungen (eigentlich Felsritzungen, engl. rock carvings) anzusehen, die seit 1985 zum UNESCO Welterbe gehören. Es gibt unzählige Funde im Alta-Gebiet - der kleine Teil, der Besuchern zugänglich ist, umfasst mehr als 3000 Felszeichnungen. Da das Museum bereits seit 20 Uhr geschlossen hatte, konnten wir den Außenbereich ohne Eintrittskarte besuchen. Weil es das Wetter gut mit uns meinte, brachen wir kurz nach 23.00 Uhr direkt vom Hotel aus noch einmal zu einer Wanderung auf den Komsafjell-Gipfel auf, der sich 211 m hoch über Alta erhebt. Oben angekommen, genossen wir die Mitternachtssonne, die exakt um 0.27 Uhr ihren tiefsten Stand erreichte. Nach knapp 2,5 h waren wir wieder im Hotel, die Sonne stand bereits wieder deutlich höher am Himmel.
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